Die Steuerung meiner Modelleisenbahn

Steuerung und Stromversorgung

Meine Modellbahnanlage steuere ich mit einer ESU ECoS II. Diese Zentrale ist ursprünglich aus dem Jahre 2009/2010. Sie besitzt einen interner Booster mit 4A Dauerausgangsleistung; das Schaltnetzteil leistet 90VA. Da ESU regelmäßige Software-Updates der Firmware anbietet, ist sie auch heute noch einigermaßen up-to-date. Märklin hat mit der neuen CS3 im Moment einen technischen Vorsprung. Ich hoffe schon seit ein paar Jahren auf ein neues ESU-Modell mit verbesserter Grafik, bisher vergeblich. Ein neuer Linux-Kern hat sie zumindest noch einmal beschleunigt. Wie unten ersichtlich, sind 800×600 Pixel ziemlich grob. Ich habe aus diesem Grund den Gleisplan meiner Anlage auf mehrere Seiten verteilt, die ich nacheinander auf dem Touchscreen anwählen kann. In dem kleinen Fenster links unter dem Gleisplan steht jeweils der Name des Plans. Nur mit diesen Plänen schalte ich die Weichen und Signale. Eine automatisierte PC-Steuerung möchte ich bei mir nicht haben. Alles ist manuell. Ich bin der Fahrdienstleiter und Lokführer. Dauert länger, macht mir aber mehr Spaß. Natürlich kann man Fahrstraßen programmieren und somit den Betriebsablauf beschleunigen und sicherer gestalten. Meine Drehscheibe habe ich bewußt nicht an die ECoS angeschlossen. Sie wird ebenfalls manuell bedient (s. Abb. 1). Das macht auch meinem kleinen Sohn mehr Freude. Die beiden Märklin-Schaltpulte links neben der ECoS sind für meine Entkupplungsgleise. Ansonsten ist die Anlage in mehrere Stromkreise aufgeteilt.

  • Stromkreis 1: ECoS interner Booster für die Weichen- und Signalsteuerung
  • Stromkreis 2: Booster 1 Fahrstrom für die Hauptstrecke und den Hauptbahnhof
  • Stromkreis 3: Booster 2 Fahrstrom für den Güterbahnhof und das Betriebswerk
  • Stromkreis 4: Booster 3 Fahrstrom für die Nebenstrecke
  • Stromkreis 5: Booster 4 Fahrstrom für den Schattenbahnhof
  • Stromkreis 6: Märklin Trafo 6002 52VA für die Drehscheibe und die Schaltgleise
  • Stromkreis 7: Märklin Trafo 60052 60VA für die Beleuchtung aller Weichen
  • Stromkreis 8: Märklin Trafo 60052 60VA für die Beleuchtung Brilon-Wald Stadt und Hbf
  • Stromkreis 9: Märklin Trafo 60052 60VA für die Beleuchtung Brilon-Wald Güterbahnhof und Bw
  • Stromkreis 10: Märklin Trafo 60052 60VA für die Beleuchtung Büren Bf
  • Stromkreis 11: Märklin Trafo 60052 60VA für die Beleuchtung Büren Stadt
  • Stromkreis 12: Märklin Trafo 60052 60VA für die Beleuchtung Industriegebiet
  • Stromkreis 13: Märklin Trafo 60052 60VA für die Beleuchtung Ort Silbach und Berganlage
  • Stromkreis 14: Märklin Trafo 60052 60VA für die Beleuchtung Berganlage mit Burgruine

Ich habe mir kleine Kippschalter besorgt, mit denen ich die LED-Stromkreise (also alle Beleuchtungen und die Drehscheibe) einzeln ein- und ausschalten kann.

Ursprünglich hatte ich die ECoS Control Radio im Einsatz. Inzwischen ist sie defekt (Loks setzen sich etwa grundlos in Bewegung). Auch die Zahl der abgespeicherten Loks reichte bei mir nicht mehr aus. Stattdessen verwende ich seit 2018 mein Smartphone mit einem VNC Player, der die ECoS auf das Display spiegelt. So kann ich an entlegenen Stellen der Anlage die Loks millimetergenau steuern. Hoffe, ESU eifert bald Märklin nach und bietet eine App an, die zusätzlich zur ECoS per Touchscreen auf PC, Tablet oder Handy eine zusätzliche ECoS darstellt. Die aktuelle ESU Mobil Control II ist mir zu teuer und ebenfalls limitiert. Für mich und meine Kinder oder Gäste wäre es gut, wenn, wie bei Märklin, zwei ECoS parallel und unabhängig voneinander eingesetzt werden könnten, sodass 4 Personen gleichzeitig steuern könnten. Da ich komplett ESU-Hardware verwende und damit sehr zufrieden bin, will ich nicht alles auf neuere Märklin-Hardware umrüsten. Die Weichen werden mit ESU Switch Pilots gesteuert.
Übrigens benötige ich immer mal wieder die alte Märklin CU6021. Ich habe mir auf dem Arbeits- und Reparaturtisch neben der ESU- auch eine Märklin Programmierstrecke verlegt.  Manche mfx-Loks von Märklin lassen sich nicht in allen Parametern durch die ECoS programmieren. Da setze ich die 6021 ein, um CVs umzuprogrammieren. Dies kann bei den CVs 2, 3, 4, 5, 6 und 63 der Fall sein (Minimalgeschwindigkeit, Beschleunigungszeit, Verzögerungszeit, mittlere Geschwindigkeit (“Halbgas”), maximale Geschwindigkeit und Lautstärke. Alle meine Loks sind Soundloks. DCC-Loks werden bequem mit der ECoS auf dem Programmiergleis konfiguriert (s. Abb. 2). Die meisten mfx-Loks lassen sich auf der Anlage selbst mit der ECoS programmieren. Ich habe alle Booster auf eine Fahrstromspannung von 19,2V eingestellt. Die Fahrstromkreise sind durch Märklin Mittelleiter-Isolierer 74030 voneinander getrennt.
Die kleine Abbildungsserie unten zeigt, dass natürlich Weichen und Signale in den Gleisplänen auf meiner ECoS mehrfach vorkommen dürfen; manche Gleisbilder überlappen sich, um sicherer fahren zu können.

Steuerung01
Abb. 1: mein Steuerpult vor dem Hbf
Steuerung02
Abb. 2: Konfigurationsmenü DCC-Loks
Steuerung03
Abb. 3: Menü Weichen anlegen
Steuerung04
Abb. 4: Gleisplan Schattenbahnhof
Steuerung05
Abb. 5: Gleisplan Hbf / Teil des Gbf
Steuerung06
Abb. 6: Gleisplan Gbf / Bw
Steuerung07
Abb. 7: Gleisplan Nebenstrecke
Steuerung08
Abb. 8: Gleisplan Bf Büren / Nebenstrecke

Die Bahnstromkreise

Jeder Modelleisenbahner kennt das Problem. Wie viele Stromkreise brauchst du? In welchem Abstand speist du ein? Welche Querschnitte sind sinnvoll? Wie verzweigst du zu den Einspeisepunkten? Ich habe für mich eine indivuduelle Lösung gefunden. Und ich würde es immer wieder so machen. Angeregt durch die Erneuerung der Elektroinstallation in unserem alten Haus habe ich mich komplett vom Löten der Abzweigungen verabschiedet. Löten unter der Anlage, über Kopf, von 2,5mm² auf 0,75mm², von einadrig auf mehradrig. Nee, das traute ich mir nicht zu. Also habe ich auf meinen Gleisplänen eingezeichnet, an welchen Stellen ich wie viele Abzweigungen benötige. Nun kommen meine WAGO Verbindungsklemmen ins Spiel. Diese 5fach-Klemmen können jeweils 3 Abzweiger aufnehmen, sind kontaktsicher und leicht zu klemmen und zu lösen. Sie klemmen alles von 0,08mm² bis 4mm². Ich habe 2,5mm² für alle Fahrstromringleitungen eingesetzt, diese an jeder vorgezeichneten Position mit einem Seitenschneider durchgekniffen, abisoliert und mit einer WAGO Klemme wieder verbunden. Nun konnte ich 3 mal 0,75mm² zum C-Gleis legen. Im C-Gleis habe ich mit den original Märklin Flachsteckhülsen (Messing) das Kabel aufgeschoben. Alle 0,75mm² Kabel habe ich vorher in Fließbandarbeit, abisoliert, mit einer Aderendhülse an der WAGO-Seite und einer angelöteten Märklin Flachsteckhülse an der C-Gleis-Seite versehen. Die Einspeisestellen liegen normalerweise im 2m Abstand. Etwas kürzere Gleisabschnitte habe ich am Anfang und Ende eingespeist, lieber etwas mehr als zu wenig. Natürlich gehen 2 Kabel zum Gleis (Fahrstrom und Masse; bei mir rot und braun) und du brauchst demnach zwei Ringleitungen für jeden Stromkreis: Hin- und Rückleitung. Siehe Fotos rechts. Zur besseren Unterscheidung unter der Anlage haben ich verschiedene Farben eingesetzt: Fahrströme immer rot und braun, andere Stromversorgungen in schwarz und braun 0der lila/weiß oder grau/orange etc.

WAGO Verbindungsklemmen 5fach 40 222-415
Märklin Flachsteckhülsen 74995

Inzwischen bietet WAGO neue, kleinere Compact-Verbindungsklemmen in transpatentem Gehäuse an (Nr. 221 415; 5fach).

Da die Boosterklemmen von ESU keine 2,5mm² fassen, habe ich zu Beginn der Ringleitung ein kurzes 1,5mm² Kabel bis zur ersten WAGO Klemme gezogen; dann startet die Ringleitung nach rechts und links aus der WAGO Klemme.
PS: Ich versuche die Erklärungen sehr simpel zu formulieren, sodass Nicht-Elektriker es hoffentlich nachmachen könnten…

Sonstige Stromkreise

Die Weichenversorgung (nur Antriebe, keine Beleuchtung) habe ich mit einer 1,5mm² Ringleitung durchgeführt, die Ringleitungen für die Beleuchtung haben 0,75mm². Bis zu 100 LEDs sind in einem Stromkreis zusammengefasst. Endzuleitungen/Verlängerungen habe ich habe ich i. d. R. mit 0,25mm² ausgeführt. Die Verteilerplatten wurden mit 0,5mm² angedockt. Die Verteilung an die Endverbraucher habe ich per Märklin Verteilerplatte durchgeführt, sowohl bei der Beleuchtung als auch bei den Signalen (s. Abb. 12).

Hier direkt die Märklin Art. Nr.:
Verteilerplatte 72090
Stecker 71411 bis 71416 (je nach Farbe)
Muffen 71421 bis 71426 (je nach Farbe)
(Brawa Stecker und Muffen funktionieren ebenfalls; ich ziehe die von Märklin vor)

Alle Kabelverlängerungen für die Beleuchtung, die Signale, die Weichensteuerung habe ich nicht gelötet, sondern mit Märklin Stecker/Muffe-Verbindung realisiert. Sicher und jederzeit wieder lösbar. Um die Kabel sicher klemmen zu können, habe ich ohne Ausnahme immer Aderendhülsen verwendet, bei jedem einzelnen Verbraucher. Das kann man vielleicht in Abb. 12 noch sehen. Die passenden Aderendhülsen sind von conrad electronic; ich habe sie mit einer (quer geriffelten) Wasserpumpenzange mit etwas Gefühl auf das Kabelende gedrückt und dann per Seitenschneider etwas gekürzt (außer bei den WAGO Klemmen).

Fahrstrom1
Abb. 9: Statt Löten bei mir die WAGO Verzweigung: hier Einspeisung zweier Gleisabschnitte von 2,5mm² auf 0,75mm²
Fahrstrom3
Abb. 10: Fahrstrom, Weichen, Signale, Beleuchtung: Farben helfen die Übersicht zu bewahren
Fahrstrom2
Abb. 11: Verschiedene Farben für verschiedene Zwecke
Fahrstrom4
Abb. 12: Märklin Verteilerplatten und Märklin Stecker und Muffen
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