Christopher A. Bosley: Chris - Ein viel zu kurzes Leben

Chris war gerade 10 Jahre alt geworden. Wie in fast jedem Sommer verbrachte er viele Wochen hier in Büren bei Oma und Opa, bei uns im Haus. Das Wetter spielte mit, es war fast heiß draußen und Raimund und ich hatten die Idee, Chris und Alexa auf eine Motorradtour mitzunehmen mit unseren Enduro-Maschinen. Sie sollten auch einmal etwas Besonderes erleben. Die Kinder erhielten von uns Helme und los ging die Tour. Lexi saß bei Raimund, Chris bei mir mit auf der Maschine. Unseren Tourstart kann man im Bilderkarussell sehen, meine Schwester Gaby hat das Foto gemacht. Wir sind dann über Brenken und Steinhausen in das Waldgebiet an der A44 geraten. Waldwege sind für Enduros generell sehr gut geeignet und machen Kindern Spaß. Es riecht auch so gesund im Wald. Blöd nur, dass die Einfahrt verboten und versperrt war. Wir umkurven die Sperre und räubern über die Waldwege. Ach du jeh, da hinten taucht ein Revierförster auf. Was tun? Heute haben wir keine belgischen Nummernschilder montiert. Ab durch die Mitte und auf eher schlechten Waldwegen das Weite suchen. Raimund und ich trennen uns, wenn überhaupt, soll nur einer erwischt werden. Ich kurve – so schnell es mit dem kleinen Chris hinter mir zu verantworten ist – über die nassen Wege. Dann sehe ich einen umgefallenen Baumstamm auf dem Weg liegen. Könnte eng werden, und tatsächlich rutscht sofort das Vorderrad an der nassen Baumrinde ab und wir fallen in einem kleinen Bogen beide auf den Waldboden. Die Yamaha XT600 liegt still am Wegesrand. Wir beide spüren keinerlei Verletzungen. Chris hebt mit mir die Maschine wieder auf die Räder, ich trete den Kickstarter. Es tut sich nichts. Ich trete und trete und trete und trete. Mir rinnt der Schweiß die Haut hinunter. Wenn jetzt der Revierförster auftaucht, ist der Fluchtversuch grandios gescheitert. Wahrscheinlich ist der Vergaser überflutet durch die Bodenlage beim Sturz, die verdammte Kiste muss doch mal anspringen. Irgendwann war es dann soweit, ich war inzwischen nass als hätte es geregnet. Ich trug schließlich den Helm und war winddicht eingepackt. Ich manövriere die Yamaha stehend über den Baum, dann aufsitzen und nur weg von hier. Maria, wo ist denn der Wald zu Ende. Richtung Autobahn, ein Zaun versperrt die Durchfahrt, ein langer Zaun. Wieder zurück und ein neuer Versuch. Nach gefühlt einem Kilometer sehe ich endlich eine Lücke im Wildzaun. Zack, über den Grastreifen und auf die A44 Richtung Steinhausen. Ausfahrt, kurz anhalten und mit Chris sprechen. „Chris, erzähle Mama nichts von unserem Sturz im Wald, ist ja auch gar nichts passiert“ Alles klar, Chris checkt die Situation. Später kommen wir zu Hause an, wo Raimund schon lange auf uns wartet. Mir steht regelrecht das Wasser in den Basketballschuhen. Gaby kommt vor die Tür und fragt, wie es war, wieso wir so spät kommen. „Mama, weiß du was uns passiert ist…!“
Chris und Lexi durften nie wieder mit Raimund und mir auf den Motorrädern mitfahren!

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